Die wichtigsten Strukturen des Pferdeauges

Ein erster, orientierender Überblick

Der nicht ganz kugelförmige (Spheroid) Augapfel (Bulbus) des Pferdes hat einen Durchmesser von ungefähr 6,5 cm x 9,0 cm. Er liegt gut geschützt in der knöchernen Augenhöhle (Orbita), und er ist in eine Umgebung aus Fett und Bindegewebe eingebettet. Mehrere Muskeln bewegen den Augapfel nach oben, unten, rechts oder links. Pferde können den Augapfel aber auch zurück in die Augenhöhle ziehen.

Lider

Ober- und Unterlider verhindern, dass Umwelteinflüsse wie Wind, Staub, usw. die empfindlichen Augen schädigen. Der sehr schnelle Lidreflex schützt auch zusammen mit der sog. „Nickhaut“ (drittes Augenlid) vor starkem Licht und kleinen Fremdkörpern. Die grossen Tränendrüsen unter dem Oberlid sowie an der Basis des dritten Augenlides und Talgdrüsen an den Lidrändern  produzieren die Tränenflüssigkeit, die das Auge vor dem Austrocknen bewahrt und als Gleitschicht für die Lider dient. Der Lidschlag verteilt diese wertvolle Flüssigkeit als Tränenfilm über die Hornhaut und die Bindehäute.

Bindehaut (Konjunktiva)

Die Bindehaut (Konjunktiva) findet sich auf der Innenseite der Augenlider. Auf und in der Bindehaut sorgen zahlreiche Immunabwehrzellen für eine erste, wirksame Bekämpfung von die Bakterien, Pilze und Viren. Die Bindehaut produziert zusätzlich ein schleimiges Sekret, welches ebenfalls Bestandteil des Tränenfilms ist. Die Bindehaut zieht sich von den Rändern der Augenlidern auf der Innenseite der Lider in Richtung der Augenhöhle bis zur so genannten oberen Übergangsfalte. Dort bildet sie den oberen Bindehautsack (Fornix). Im unteren Bindehautsack entsteht durch eine Duplikatur der Bindehaut auch noch die Nickhaut, die mit ihrem eingelagerten Blinzknorpel einen zusätzlichen, unverzichtbaren Schutz des Augapfels darstellt. im unteren und oberen Bindehautsack schlägt sicdie Bindehaut um und bedeckt die vorderen Anteile der Lederhaut (Sklera), und geht dann als äusserste, oberflächlichste Schicht in das Epithel der Hornhaut (Kornea) über.

Hornhaut (Cornea)

Die Hornhaut (Kornea) erscheint wie ein gewölbtes Uhrenglas vorne in die Lederhaut des Auges als vordere Begrenzung des Augapfels eingelassen. Die im gesunden Zustand durchsichtige, glasklare, nur 0,7 – 0,9 Millimeter dicke, mehrschichtige Kornea besteht aus Kollagenfasern. Sie besitzt keine Blutgefäße, ist aber von feinen Nerven durchzogen und daher sehr sensibel. Von ihrer Transparenz hängt ein großer Teil des Sehvermögens des Auges ab. Die Kornea trägt rund zwei Drittel zur gesamten Lichtbrechkraft des Sehapparates bei. Die Hornhaut stellt auch die vordere Begrenzung der mit klarem Gewebewasser (Kammerwasser) gefüllten vordere Augenkammer dar.

Unpigmentiertes vorderes Irisblatt
(Leukosis iridis (Fischauge))

Regenbogenhaut (Iris)

Die hintere Begrenzung der vorderen Augenkammer ist die senkrecht zur Sehachse angeordnete mehrschichtige Regenbogenhaut (Iris). Sie trennt vordere und hintere Augenkammer. Das vordere Blatt der Iris besteht aus einer einlagigen Pigmentschicht. Diese geht am Rand der Pupille in das zweischichtige Epithel des hinteren Irisblattes über. Zwischen dem vorderen und dem hinteren Irisblatt befindet sich das stark durchblutete Irisstroma, bestehend aus Bindegewebe, Muskulatur und einem eingelagerten Blutgefässsystem.

Im Zentrum der Iris sieht man die beim Pferd querovale Pupille. Sie regelt durch ihre variable Grösse wie die Blende einer Kamera den Lichteinfall in das Augeninnere.

Die von uns wahrgenommene Augenfarbe eines Pferdes basiert auf einer hohen oder geringen Pigmentdichte in der vorderen Irisschicht. Dabei gilt: Je weniger Pigment (Melanin), desto heller erscheint dem Betrachter die Augenfarbe. Wenn die hintere Schicht der Iris durch eine nur sehr schwach  pigmentierte vordere Irisschicht durchschimmert, entsteht der Eindruck eines partiell blauen oder „weissen“ Auges, sog. Birkauge (leukosis iridis partialis) Vollständiges Fehlen des Pigment im vorderen Irisblatt bezeichnet man als Fischauge (leukosis iridis totalis).
Als Besonderheit findet sich bei Pferdeaugen noch eine Ansammlung von Pigmentzellen am oberen mittleren Rand der Iris/Pupille, die sogenannten „Traubenkörner“ (granula iridis), die noch für eine weitere Reduzierung des einfallenden Lichts sorgen können, wenn es sehr hell ist und  sich die Pupille schon maximal zusammengezogen hat.

Strahlenkörper (Ziliarkörper)

Nach hinten geht die Iris in den kreisförmigen Strahlenkörper (Ziliarkörper) über. In seinem Zentrum hängt die elastische Linse, direkt hinter der Pupille, an kleinen Fädchen (Zonulafasern) aufgehängt. Die kristallklare Linse bündelt das Licht, das durch die Pupille fällt, damit auf der Netzhaut ein scharfes Bild der Umwelt entstehen kann. Wenn der Ringmuskel des Strahlenkörpers entspannt ist, ziehen die Linsenaufhängefasern (Zonulafasern) an der Linse und dadurch flacht die Linse ab. Das Auge sieht in diesem Zustand ferne Gegenstände scharf (Fernakkomodation). Spannt sich der Ringmuskel an, so geben die Zonulafasern nach und die Linse nimmt eine kugelförmige Gestalt an. Nun kann das Auge Gegenstände in der Nähe scharf erkennen (Nahakkomodation). Das Potential der Akkomodation ist aber beim Pferd so gering ausgebildet, dass er funktionell kaum ins Gewicht fällt.

Kammerwasser (Humor aquosus)

Hornhaut und Linse bestehen vorwiegend aus Kollagenfasern und haben keine eigenen versorgenden Blutgefäße. Beide erhalten die erforderlichen Nährstoffe und Sauerstoff über das Kammerwasser, welches am Strahlenkörper produziert wird. Es fliesst dann durch die Pupille in die vordere Augenkammer und verlässt das Auge wieder über einen zirkulären Filtrationswinkel (Kammerwinkel) in der Peripherie. Der Kammerwinkel reguliert auch den Flüssigkeitsdruck in der vorderen und hinteren Augenkammer und hält den Augeninnendruck konstant.

Glaskörper (Vitreum)

Als gelartiger Kern füllt der elastische Glaskörper das Augeninnere und gibt dem Augapfel seine stabile Form. Er besteht zu über 98 Prozent aus Wasser und ist glasklar. Dank seiner rigiden Konsistenz erhält er selbst bei kleinen Verletzungen weitgehend die äußere Form des Augapfels, auch wenn Kammerwasser verloren geht.

Netzhaut (Retina)

Die innerste Schicht des Augapfels ist die Netzhaut (Retina). Sie beginnt dort, wo der Strahlenkörper endet. In der Netzhaut sin den sich zwei Arten von Lichtsinneszellen, die Stäbchen und die Zapfen. Sie wandeln die ins Auge fallenden Lichtreize in Nervenimpulse um. Stäbchen ermöglichen das Schwarz-Weiß- Sehen unter schlechten Lichtverhältnissen/Dunkelheit, Zapfen sorgen für das Farbsehen bei Tageslicht. Die Zapfen sind beim Pferd nur dichromatisch (Grün/Blau), d. h. sie besitzen keine Sensibilität für den roten Bereich des Tageslichts. In der Mitte der Netzhaut befinden sich in einem kleinen Areal keine Lichtsinneszellen, weil sich dort alle Nervenfasern zum Sehnerven (n. opticus) bündeln und aus dem Augapfel nach hinten austreten und zum Gehirn ziehen.
Im oberen Teil der Netzhaut liegt das sogenannte „Tapetum (fibrosum)“. In diesem Bereich, mit einer speziellen Anordnung des Kollagengewebes, wird das einfallende Licht innerhalb der Netzhaut noch einmal reflektiert und kann dann zu einer stärkeren Erregung der Photorezeptoren beitragen (Lichtverstärkungseffekt). Farblich variiert das Tapetum, je nach Farbschlag des Pferdes, von grün über gelb nach blau oder rötlich (siehe auch Physiologie des Sehens)

Aderhaut (Choroidea)

Zwischen der äusseren Schicht des Augapfels (Sklera) und der inneren Schicht (Retina) befindet sich die stark durchblutete Aderhaut (Choroidea). Sie versorgt die hochaktive Schicht der Netzhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff. Wegen ihrer starken Pigmentierung fungiert die Aderhaut ausserdem noch als Absorber von Streulicht.